03.07.2018

«MONTE VERITÀ - Le mammelle della verità»

Bei einem Besuch auf dem Monte Verità in der Nähe von Locarno ist im Museum Casa Anatta die als Kunstinstallation behandelte Dauerausstellung aus dem Jahr 1978 «MONTE VERITÀ - Le mammelle della verità» von Harald Szeemann sehr empfehlenswert. Sie wurde gemäss den ursprünglichen Absichten des Kurators wiederaufgebaut und erzählt die utopische Geschichte des Monte Verità und seiner Umgebung ab dem 19. Jahrhundert.

Im Frühjahr 1917 besuchte Ernst Kreidolf seinen Freund Hermann Hesse in Montagnola (TI). Hesse war eng mit einem wichtigen Protagonisten des Monte Verità befreundet. Gusto Gräser, der „Vater der Alternativbewegungen“, hatte diesen in die Weisheitslehren des Ostens eingeführt. Gräsers monu­men­tales Gemälde "Der Liebe Macht" (1898/99) ist in der Ausstellung zu sehen. Seine Zivi­li­sa­ti­ons­kri­tik kommt hier auf gera­dezu exem­pla­ri­sche Weise zum Ausdruck: Es zeigt eine Land­schaft, deren rechte Hälfte in ein höllen­ar­ti­ges Licht getaucht ist und von rauchen­den Fabrik­schlo­ten und sich bekrie­gen­den Menschen domi­niert wird; links ist die unbe­rührte Natur zu sehen, Mensch und Tier sind in fried­li­chem Einklang darge­stellt.

Diese Weltanschauung dürfte auch Kreidolf geprägt haben, als er sein drittes, nie publiziertes Zwergenmärchen (ca. 1918) malte.